Blogger-Schule: Vom Staunen, Entdecken und Wünschen

Die Blogger-Schule München hat 2016/2017 bereits 20 Workshops für junge Flüchtlinge gegeben. Hier möchten wir Ihnen ein paar Geschichten vom Staunen, Entdecken und Wünschen erzählen. Doch die Namen der Teilnehmer nennen wir nicht – so wie wir auch alle jungen Flüchtlinge vor dem Veröffentlichen ihrer Blog-Beiträge, Fotos und Videos fragen, ob sie mit ihrem Vornamen und ihrem Gesicht im Internet auftauchen möchten. Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (UMF) bleiben grundsätzlich anonym.

Staunen über die Blog-Technik

Einen der schönsten Aha-Effekte erlebten wir gleich beim ersten Workshop in der Mittelschule: Kaum hatten wir erklärt, dass wir Blogbeiträge schreiben werden und sie auf Wunsch sofort online stellen können, schauten uns zwei 19 Jahre alte Mädchen mit großen Augen an. „Unsere Texte kann man dann wirklich sofort in der ganzen Welt sehen?“

Ja, antworteten wir und fügten hinzu, dass jeder für sich selbst entscheiden könne, ob er oder sie gleich heute online gehen will oder erst in der darauffolgenden Woche. Die Mädchen waren so begeistert, dass sie alles, was sie in den ersten 90 Minuten geschafft hatten, veröffentlichten.

Beim Bloggen eine ganz neue Welt entdecken

Ein junger Mann erwies sich als begeisterter und technik-begabter Blogger. Wir lernten ihn beim ersten Workshop in der Wohneinrichtung kennen. Spontan entschied er sich für ein Thema. Doch schon nach wenigen Sätzen merkte er, dass er eigentlich gar nicht so viel darüber weiß und die erwünschten 300 Wörter nicht zusammen bringen konnte.

Beim nächsten Treffen änderte er seine Strategie und überraschte uns mit einem anderen Thema, zu dem er einen umfassenden und gut verständlichen Text schrieb.

Später bei der Talentshow bewies der junge Mann, dass er eine schnelle Auffassungsgabe hat und sich im Nullkommanix ins Videofilmen mit dem Smartphone einfuchsen konnte. Er machte auch konkrete und kreative Vorschläge, wie wir Musikvideos am besten filmen und schneiden könnten. Da er sich für die Blogtechnik begeisterte, motiviert nachfragte und immer schnell Lösungen für unsere Technikproblemchen fand, motivierte das auch die anderen Jungs, sich intensiver mit den Details zu beschäftigen.

Talente suchen und dann darüber berichten

Bei der Planung für die Talentshow gingen wir davon aus, dass alle Teilnehmer etwas Besonderes können, über das wir mit einem kurzen Smartphone-Video berichten können. Ziemlich erstaunt waren wir, als ein 15 Jahre altes Mädchen spontan antwortete, dass sie kein Talent habe.

Erst nach geduldigem Nachfragen erfuhren wir, dass das Mädchen doch etwas kann, was sie eigentlich für ganz selbstverständlich hielt. Zusammen mit ihrer Freundin drehte sie dann ein Video dazu, was beiden viel Spaß machte.

Junge Flüchtlinge unter 18 Jahren bleiben auf unserem Schulblog anonym

Der aufgeschlossene Junge kam als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling (UMF) nach München. Da er noch unter 18 Jahre alt ist, steht er bei unseren Blogger-Workshops unter einem besonderen Schutz. Dazu gehört auch seine Anonymität auf unserem Schulblog, auch wenn er in seiner Freizeit selbständig im Internet unterwegs ist und einiges von seiner Identität preisgibt.

Der Junge war von Anfang an sehr am Schreiben und am Fotografieren mit dem Smartphone interessiert und hat sich im Laufe eines Jahres erstaunlich entwickelt. Seinen Blogbeitrag wollte er – als bislang einziger Workshop-Teilnehmer – nicht sofort online stellen, sondern erst nachdem er den Text zusammen mit seinen Pateneltern und uns sprachlich so verbessert hatte, dass er zufrieden damit war.

Der Junge nahm an allen 9 Workshops und entwickelte einen ganz persönlichen Ehrgeiz, alle 14 Punkte auf unserer To-Do-Liste für Blogger mit Bravour zu erfüllen.

Zum Abschluss lobten wir ihn für seine tolle Leistung und waren etwas überrascht, als er ganz zum Schluss fragte: „Kann ich nicht doch meinen richtigen Namen unter den Blogbeitrag schreiben? Jetzt weiß ja niemand, wie ich wirklich heiße.“

Leider mussten wir ihm diesen Wunsch abschlagen und versprachen ihm, dass er seinen richtigen Vornamen einsetzen dürfe, wenn er 18 wird. Doch das wird noch etwas dauern.


Zeichnungen: Isabelle Dinter

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