Von den Herausforderungen eines sozialen Projekts

Eine Blogger-Schule für junge Flüchtlinge zu gründen, ist spannend, weil es dafür noch keine Vorbilder gibt und sich auch die Erfahrungen aus anderen Flüchtlingsprojekten nur bedingt auf das gemeinsame Arbeiten im Internet übertragen lässt. Seit der Gründung der Blogger-Schule für junge Flüchtlinge im September 2015 haben wir viel Erfreuliches und Ermutigendes erlebt, wir sind aber auch an unsere Grenzen gestoßen.

Herausforderungen bei der ehrenamtlichen Mitarbeit in einem Blogger-Projekt

Unser Redaktionsteam hat sich im Laufe der Monate immer wieder verändert. Alles begann mit Freunden und Bekannten der Münchner Initiatorin Karin Hertzer, die ihre Idee der Blogger-Schule für junge Flüchtlinge begeistert aufgriffen.

Einige merkten jedoch bald, dass ehrenamtliche Arbeit viel Zeit und Energie kostet und dass private und berufliche Belastungen eine regelmäßige Mitarbeit in den Schulkonferenzen und beim Unterrichten der Blogger-Workshops nicht zuließen.

Da wir anfangs nur etwas Geld hatten, um notwendige Anschaffungen zu bezahlen, konnten wir keine Honorare ans Team zahlen – was vor allem für einige Freiberufler in unserer Gruppe auf Dauer schwierig wurde.

Hinzu kam, dass wir in zeitaufwändigen Schulkonferenzen auch inhaltlich erst mal eine einheitliche Linie für unser Konzept finden mussten.

Wie bei anderen (sozialen) Start-ups verließen einige Interessenten unser Team wieder, andere kamen hinzu und sind bis heute dabei. Mittlerweile besteht unser Team aus rund 10 Personen, die sich regelmäßig treffen und über Mails und soziale Medien miteinander vernetzt sind.

Herausforderungen bei den Angeboten der Blogger-Schule für junge Flüchtlinge

Schon allein jungen Flüchtlingen zu erklären, was ein Blog überhaupt ist, stellte uns anfangs vor das Problem: „Wie erklären wir in einfachen Worten, was wir in unseren Blogger-Workshops zusammen mit den Teilnehmern erreichen wollen?“

Mittlerweile orientieren wir uns an der kurzen Definition, die uns der bekannte Tech-Blogger Sascha Pallenberg in einem Video-Interview nahegelegt hat: „Ein Blog ist eine Webseite, in die man etwas hineinschreiben kann.“

Was können wir als Blogger zur digitalen Integration von jungen Flüchtlingen beitragen?

Hinzu kam für alle Redaktionsmitglieder ein – bis heute andauernder – Entwicklungsprozess, sich selbst und der Gruppe bewusst zu machen, warum wir uns überhaupt mit jungen Flüchtlingen beschäftigen wollen, welche Einstellungen wir zu Flüchtlingen, Zuwanderern und Migranten im Speziellen und zur Asylpolitik im Allgemeinen haben und wie wir mit unseren Blogger-Workshops zur (digitalen) Integration beitragen können.

Hilfreich waren dabei u. a. unsere Gespräche mit Experten der Münchner Condrobs-Beratungsstelle, die sich seit Jahren für die Flüchtlingsarbeit engagieren.

Herausforderungen beim Kontakt mit den jungen Flüchtlingen

Viele unserer Redaktionsmitglieder haben ihre Urlaube im Ausland verbracht, einige haben in fernen Ländern gelebt, und wiederum andere kennen aus dem eigenen privaten und beruflichen Umfeld, was es bedeutet, ein Ausländer zu sein, ausländische Wurzeln zu haben oder sich als „Zuagroasda“ in München oder in Bayern heimisch zu fühlen. (Team)

All diese Erlebnisse und Erfahrungen haben uns geprägt – und doch fühlen sich die ersten Kontakte mit den jungen Flüchtlingen, die seit kurzer Zeit in München oder Deutschland leben, zunächst ungewohnt an.

Intuitiv reagieren wir meist richtig im Umgang mit den anderen Kulturen, Sitten und Gebräuchen. Dennoch kommt es bei den Blogger-Workshops manchmal zu Situationen, in denen ein besonders gutes Fingerspitzengefühl gefragt ist. Oft braucht man auch ein ganz spezielles Hintergrundwissen, das den Umgang z. B. mit den jungen Menschen erleichtert, die durch Kriegs- und Fluchterlebnisse traumatisiert sind.

Um keine unnötigen „Fehler“ zu machen, sammeln die Trainerinnen und Trainer alle Erlebnisse und Erfahrungen aus den Blogger-Workshops, die sie an ihre persönlichen Grenzen brachten. Über diese Themen sprechen wir dann im Trainerteam. In schwierigen Fällen wir holen wir den Rat von Experten ein, die sich seit vielen Jahren mit der Traumabewältigung beschäftigen.


Zeichnung: Isabelle Dinter

Fotos: Karin Hertzer

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